Priesterberufungen aus der Pfarre St. Anton
(Aus unserer Chronik)

Beim Durchblättern unserer Pfarrchronik finden wir eine ganze Reihe Namen von Neupriestern, die in unserer Kirche ihr erstes heiliges Messopfer - ihre Primiz - feierten, und auch zu einem großen Teil im Pfarrbereich geboren und aufgewachsen, also richtige Pfarrkinder von St. Anton Wien X, sind.

Der erste Primiziant in unserer Antonskirche war Michael Molecz. 1885 als Sohn einer Arbeiterfamilie, sein Vater war Seiler-gehilfe, in Favoriten geboren, empfing er am 25. Juli 1908 die Priesterweihe. Seine Primiz am 1. September 1908 war ein ganz großer Festtag für die damals noch junge Pfarrgemeinde. Seine erste Kooperatorenstelle war in Payerbach, von wo er dann an seine Heimatpfarre St. Anton als Kooperator zurückkam und als Hauptschulkatechet an der Quellenschule tätig war. Während der NS-Zeit war er lange eingekerkert. Am 13. Juli 1963 wurde er von dieser Welt abberufen.

Im Jahre 1921 empfing Maximilian Hofbauer die Priesterweihe und feierte seine Primiz in unserer Pfarrkirche. Er wurde ein guter - ein heiligmäßiger Priester. Seine Kapelle in der Bossigasse in Wien-Hietzing konnte oft die Gläubigen nicht fassen, die von nah und fern kamen um seine Predigten zu hören und mit ihm die hl. Eucharistie zu feiern. Prof. Hofbauer starb 1949 tief betrauert von seiner großen Kirchengemeinde.

Am 26. Juli 1925 hielt der am 3. Jänner 1903 geborene Primiziant Fritz Pfannhauser in unserer Kirche sein erstes Messopfer. Er war später Kaplan in Wolkersdorf und auch in St. Anton.

Am 25. Juli 1926 feierte der spätere Dr. Johannes Perchter, geboren 1902, sein Primizopfer in St. Anton Wien X. Kons.-Rat Dr. Perchter wurde Dechant und Pfarrer in Neumargarethen in Meidling. Er starb am 24. April 1985.

Ein Spätberufener - Oberst i.R. Hugo Richter - gelobte im ersten Weltkrieg, als er, an einer Brücke über einem Sumpf hängend, dem Tod geweiht schien, im Falle seiner Rettung Priester zu werden. Nach seiner glücklichen Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft, er wohnte damals als Gast des Pfarrers in unserem Pfarrhof, begann er sein Studium und wurde 1930 als 61jähriger (!) zum Priester geweiht. Zu seiner Primiz am 20. Juli 1930 wurde er von vielen ehemaligen Kameraden und Offizieren mit einer Militärkapelle vom Pfarrheim eingeholt und in die überfüllte Antonskirche geleitet. Wegen des großen Andranges war an eine anschließende Erteilung des Primizsegens nicht zu denken. Hochw. Richter spendete daher eine volle Woche lang täglich bei der Frühmesse den Primizsegen. Er wurde später erzbischöflicher Zeremoniär bei Kardinal Piffl und starb hochbetagt in seiner Geburtsstadt Prag.

Am 24. Juli 1932 hat Hochw. Dr. Heinrich Meyer feierliche Primiz in unserer Kirche. Er wird als Neupriester Kaplan und Jugendseelsorger in Gersthof. Wegen angeblicher Beteiligung an einer illegalen NS-feindlichen Freiheitsbewegung, wurde er in den letzten Kriegstagen im Frühjahr 1945 vom „Volks"-Gericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Seine Primizstola hat er testamentarisch der Pfarre St. Anton hinterlassen. Sie hat einen Ehrenplatz im Pfarrhof - er lebt in den Herzen seiner Freunde weiter!

Hochw. Franz Dobias hielt seine Primizfeier am 2. Juli 1933 in unserer Pfarrkirche. Er trat in das Chorherrenstift Herzogenburg ein und war dort in verschiedenen Stiftspfarreien als Pfarrer tätig. 1971 vollendete er sein Priesterleben.

Pater A. St. Drascovics mSC war als Kind in Holland, wo ihm seine Pflegeeltern auf seinen sehnlichen Wunsch - das Priesterstudium ermöglichten, so dass er 1935 in Holland die Priesterweihe empfangen konnte. Sein erstes hl. Messopfer feierte er in seiner Heimatpfarre St. Anton, Wien 10, am 25. August 1935. Er wirkte als Missionar in Brasilien.

Hw. Eduard Schoral, geboren am 20. Dezember 1913 ein echter Favoritner - seine Eltern wohnen heute noch in unserer Pfarre - empfing am 11. Juli 1937 die Priesterweihe und feierte am darauffolgenden Sonntag in unserer Antonskirche seine Primiz. Im Dekanat Bruck/Leitha wirkte er als Religionsprofessor am dortigen Gymnasium tätig. Er starb am 16. Juli 1997.

Das Jahr 1939 brachte aus unserer Pfarre gleich drei brave Arbeiter in den Weinberg des Herrn!

Am 16. Juli 1939 feierten zwei Neupriester in unserer Kirche ihr erstes Messopfer und zwar
Hochw. Johann Chalupka, geboren am 13. Dezember 1914 in Favoriten, wirkte als Geistlicher Rat und Pfarrer in Fallbach bei Mistelbach, gest. 6. März 1987, sowie
Hochw. Anton Czirny, geboren am 26. August 1915, als Sohn der langjährigen Blumen- und Kirchenwäschebetreuerin, Frau Maria Czirny Hochw. Czirny wirkte als Geistlicher Rat und Pfarrer in Marchegg (N.Ö.). Gest. 24. Juli 1986.

Hochw. Karl Gallo, der Dritte dieses Weihejahrganges, wurde am 1. 1. 1914 in Budapest geboren und hat am 8. Oktober 1939 seine Primiz gefeiert. Auch ihm wurde der Titel Geistlicher Rat verliehen. Er war in Bergau Pfarrer und später Excurrendoprovisor in Obermallebarn in Niederösterreich. Gest. 21. September 1991.

Ein Spätberuf: Der vormalige Tischlergehilfe Karl Hladik, geboren 1908, trat nach vielen Schwierigkeiten mit sich und seiner Umwelt in das Priesterseminar in St. Pölten ein, wo er auch 1946 die Priesterweihe empfing. Am 7. Juli 1946 brachte er in unserer Pfarrkirche sein erstes hl. Messopfer dar.

Hochw. Josef Spurny, geboren am 26. Februar 1931 als Sohn einer gut katholischen Arbeiterfamilie aus unserer Pfarre hielt seine Primiz unter starker Beteiligung der Pfarrgemeinde am 3. Juli 1955. Nach zeitweiliger Tätigkeit in der Dompfarre St. Stephan und als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden, so in Wöllersdorf und vorher in Oberleis, wo er die dortige Wallfahrtskirche - unter Einsatz all seiner physischen Kräfte - von Grund auf renovierte. Geistlicher Rat Spurny war zuletzt in der Wienerwaldgemeinde Laab im Walde als Pfarrer tätig.

Josef Rinder wurde am 29. Juni 1960 zum Priester geweiht und feierte seine Primiz im Alxingerkloster, dem er sich seit seiner Schul- und Jugendzeit stark verbunden fühlt. Nachher erteilte er auch in unserer Antonskirche den Primizsegen. 1966 wurde er Pfarrer von Spillern bei Korneuburg.

Josef Igler, geb. 1933?. ein Donauschwabe, war auch ein Spätberufener. Er kam im Zuge der Rückwanderung der deutschen Siedler aus dem Osten mit seinen Eltern in den 40er Jahren nach Wien-St. Anton. Er erlernte zunächst das Tischlerhandwerk. Nach dem Besuch einer Arbeitermittelschule ging er ins Seminar und wurde 1961 zum Priester geweiht. Sein erstes Messopfer feierte er in unserer Pfarre. Nach verschiedenen Kaplanstellen, darunter auch in Wiener Neustadt, war er als Pfarrer der Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost tätig. Gest. 4. Februar 2000.

Der bisher letzte Neupriester, Friedrich Plucha, geb. 1943, wuchs zunächst im Pfarralltag auf, er begann als Ministrant, wurde Oberministrant, besuchte in Horn das Aufbaugymnasium sowie das Canisiusheim Horn. In der Folge wechselte er zu den Salvatorianern. Primiz Juni 1985; trat dem Orden der Salvatorianer bei und war in verschiedenen Pfarren tätig. Zuletzt emeritierte er als Pfarrer der Münchner Pfarre St. Maximilian.

In den letzten Jahren gab es leider keinen Neupriester aus den Reihen unserer Pfarrgemeinde.

Hoffen und beten wir zu Gott, dass er uns bald wieder die Freude und Ehre gibt, dass ein Pfarrkind sein erstes heiliges Opfer in unserer schönen Antonskirche feiert und uns segnend seine geweihten Hände auflegen möchte.

Autor: Karl Schütz

Überarbeitung: Aug`2018