Die Orgeln von St. Anton

Wie die Glocken war auch die erste Orgel vor der Einweihung der Kirche bereits fertiggestellt. Auf Empfehlung der - wie es in den Quellen heißt - "ersten und hervorragendsten Fach-Autoren der österreichischen Monarchie" wurde Johann Marcel Kauffmann aus Wien für den Orgelbau gewählt. Im Pfarr-Protokoll vom 8.9.1998 heißt es hierzu: Vergebung der Orgel. Der Herr Canonicus hält es für unnötig über diesen Punkt hier weiter zu verhandeln, nachdem über den ausdrücklich geäußerten Wunsch Sr. Eminenz die Herstellung der neuen Orgel dem Wiener Orgelbauer Kaufmann zu übergeben sei. Kauffmann war bestimmt ein Meister seines Faches, die Qualität des Pfeifenmaterials und der technische Standard wird noch heute von einer Reihe erhaltener Orgeln bezeugt.

Johann Marcel Kauffmann erstellte 1900 für St. Anton eine Orgel mit 30 Stimmen (1850 Pfeifen). Die Disposition überlieferte uns Msgr. Eisterer in seiner Festschrift von 1901:

Das Gehäuse (Foto links ist das einzig (!) erhaltene) war wie heute in zwei Teile geteilt, allerdings verbunden durch einen "Mittelbau", eine Verzierung, die das Fenster frei ließ. Der Spieltisch befand sich in der Mitte des Chores. Der Orgelkasten war reichlich ornamentiert, vergoldet und trug die Namen "W. A. Mozart", "G. F. Händel" (Mitte), "Gregor d. Gr.", "Guido v. Arezzo" (rechts) sowie "J. S .Bach", "P. d. Palestrina" (links). Diese Verzierungen verschwanden irgendwann, vor der Zerstörung 1945 wurde der Orgelkasten nur mehr ohne Schmuck überliefert.

Viele Musiker bezeichneten damals (1901) diese Orgel als besonders gewissenhaft gefertigt und wohlgelungen. Das Werk wurde vom Domprediger Stephan Wilhelm Michele und von Max Keldorfer k. u. k. Polizei-Commisär und Orgelvirtuose) erprobt und zu einem ganz vorzüglichen Werk erklärt. In der Folge wurde die Orgel von P. Hartmann (Franziskanerpater und Komponist) aus Rom einer Prüfung unterzogen und schließlich am 10. Juni 1902 durch den Orgelvirtuosen Josef Labor und den Lektor der Anglistik an der Universität Wien G. Bagster probiert. Alle sprachen sich sehr anerkennend über das wohlgelungene Werk aus.

Im November 1904 wurde die Windversorgung anlässlich der Einleitung des elektrischen Lichts mit einem Orgelmotor ausgestattet und am 8. Dezember 1904 erstmals eingeschaltet. Am 9. September 1906 starb der Erbauer der Orgel, die Betreuung übernahm dessen Sohn. 1916 verlor die Orgel anlässlich der Zinnablieferung ihre Prospektpfeifen. 1920 wurde überliefert, dass die Orgel schwer verstimmt und verstaubt war und daher einer gründlichen Instandsetzung bedurfte. Der fehlende Prospekt wurde allerdings erst wesentlich später wieder eingesetzt. Es dürfte dabei die dreifache Mixtur 2 2/3'in eine zweifache Rauschquinte 2 2/3'und 2') umgewandelt worden sein (laut Werkstättenkartei Kauffmann).

In der Folgezeit fehlen konkrete Nachrichten über das Schicksal der Orgel, sie verfiel laut Aussage ehemaliger Chormitglieder. Immer wieder verursachte sie kostspielige Reparaturen und konnte schließlich Jahre hindurch nur mehr von Direktor Toller in mühevoller Kleinarbeit einigermaßen spielbar erhalten werden. Am 6.November 1944 wurde das Werk bei dem verheerenden Bombenangriff buchstäblich pulverisiert, neben einzelnen Tasten, die man auf dem Antonsplatz fand, blieben nur mehr spärliche Metallreste übrig. Zwei Pfeifen des Werkes existieren auch heute noch, sozusagen als Andenken.

Für den Gottesdienst in der Notkirche und später bis zur Aufstellung der neuen Orgel auf der Nordempore fand eine nach 1945 (genaue Daten nicht mehr eruierbar) angekaufte Hausorgel Verwendung. Es war dies ein Positiv von Konrad Hopferwieser (op.68) mit einer Multiplexlade nach dem Ausstromwind-System. Zweieinhalb Register beinhaltete es, daraus ergab sich folgende Disposition:

Leider war dieses Werk zum Zeitpunkt der Errichtung der neuen Orgel eine nicht mehr verwendete Ruine, die Windlade wies eine Reihe von unangenehmem Durchstechen auf, eine Reparatur erschien so gut wie sinnlos. Interessant war an diesem Werk, dass es an einem akustisch recht günstigen Platz stand. Die Abstrahlung des Klanges erfolgte zwar gegen die Wand, was zunächst die Tonentfaltung behinderte, aber dann breiteten sich die Klangwellen in Ohr-Höhe der Gläubigen im Kirchenschiff von vorne schräg nach hinten aus. Diese Tatsache im Verein mit einer kernigen Intonation machte es möglich, dass der Volksgesang mit dem kleinen Werk fast besser zu führen war als mit der heutigen Orgel.

Um 1960 bemühte sich Pfarrer Johann Höbart zusammen mit Architekt Anton Steflicek um den Neubau der großen Orgel auf der Nordempore. Unter den zahlreichen Projekten (11 Orgelbauer wurden eingeladen) wurden drei in eine engere Wahl gezogen, erstellt von den Orgelbaufirmen Kauffmann (Wien), Hopferwieser (Graz) und Dreher & Reinisch (Salzburg). Interessanterweise schrieb Architekt Steflicek eine "Hochdruck intonierte Orgel mit 15 Registern" aus (!) Nach vielen Überlegungen und genauer Prüfung der Offerte (Kauffmann wollte z.B. mehrere Werke in der Kirche verteilen und auf Raten errichten; u.a. war auch Domkapellmeister Prof. Wessely mit den Projekten befasst) wurde Regierungsrat Prof. Karl Walter mit der Erstellung der Disposition und der Ausführungsüberwachung beauftragt. Als ausführende Orgelbauanstalt wurde die Salzburger Firma Dreher & Reinisch gewählt, den freistehenden Prospekt entwarf die Gattin Prof. Walters, Erny Walter-Alberdingk.

Von der Größe des Kirchenraums beeindruckt und unter der Voraussetzung, das große Kirchenfenster freizulassen, entschied man sich wieder für Kegelladen, allerdings mit elektropneumatischer Traktur. 52 klingende Register auf drei Manualen und Pedal stehen dem Organisten zur Verfügung, das Werk enthält etwa 4.000 Pfeifen.

Das Werk zählt zu den größten Instrumenten Wiens. Neben seiner Größe ist dem Instrument ein historischer Stellenwert zuzusprechen , da es das letzte Instrument darstellt, dessen Disposition und Konzept durch den Professor der Wiener Musikakademie (heute Musikuniversität) und Domorganisten Karl Walter erstellt worden ist; Disposition:

Bereits 1961 wurde die Orgel geliefert und mit der Aufstellung der Windladen vertragsgemäß begonnen. Dann aber mußte der Aufbau unterbrochen werden, da er weiter nicht mehr zu verantworten war: die Elektriker- und Maurerarbeiten auf dem Chor waren nicht vollendet und sollten während der Orgelaufstellung fortgesetzt werden(!).

Anfang 1962 wurde die Orgel vollendet und das erste Mal öffentlich in einem Konzert anlässlich der Wiener Festwochen am 2. Juni 1962 durch Prof. Dr. Karl Schütz vorgestellt. Erst bei der Christmette 1962 (nach stiller Weihe durch Pfarrer Höbarth) wurde die Orgel ihrer Bestimmung übergeben.

Nach zehn Jahren, 1972, wurde die Orgel durch die Erbauerfirma instandgesetzt, der Großstadtschmutz setzte und setzt dem Instrument stark zu. Dabei wurde auch die Intonation einer Korrektur unterworfen, eine wegen der Größe der Kirche harte und fast penetrante Tongebung hatte sich nicht bewährt.

Nach fast dreißig Jahren war eine Instandsetzung notwendig geworden. Vom September bis Dezember 2003 führte die Firma Franz Windtner aus St. Florian (O.Ö.) eine Reinigung und aufwendige Sanierung des Instruments durch, dabei wurden die beiden Schleudergebläse erneuert. Am 11. Jänner 2004 wurde die Orgel durch Weihbischof Helmut Krätzl im Rahmen eines Festgottesdienstes gesegnet. Am Nachmittag führte Prof. Mag. Dr. Karl Schütz die Orgel erstmals konzertant vor.